Bragg-Gleichungs-Rechner mit Millerschen Indizes

Berechne den Netzebenenabstand d_hkl aus Kristallsystem, Gitterkonstanten und Millerschen Indizes (h,k,l), und löse anschließend die Bragg-Gleichung n·λ = 2·d·sin(θ) nach Beugungsordnung n, Wellenlänge λ oder Beugungswinkel θ auf.

Werte eingeben

Unterstützt werden die vier rechtwinkligen Kristallsysteme kubisch, tetragonal, orthorhombisch und hexagonal. Monokline und trikline Systeme (mit schiefwinkligen Zellen) sind aktuell nicht implementiert, da ihre d-Formel zusätzliche Kreuzterme mit den Zellwinkeln enthält.

Å
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Erklärung: Bragg-Gleichung und Netzebenenabstände

Was beschreibt die Bragg-Gleichung?

Trifft Röntgenstrahlung auf einen Kristall, wird sie an den regelmäßig angeordneten Netzebenen der Kristallstruktur gebeugt. Konstruktive Interferenz (ein messbares Beugungssignal) tritt nur bei ganz bestimmten Winkeln auf, die von der Wellenlänge der Strahlung und dem Abstand der Netzebenen abhängen.

Die Bragg-Gleichung verknüpft diese drei Größen: den Netzebenenabstand d, den Beugungswinkel θ und die Wellenlänge λ (bei gegebener Beugungsordnung n). Der Netzebenenabstand d wiederum hängt von den Millerschen Indizes (h,k,l) der betrachteten Netzebene und den Gitterkonstanten des Kristalls ab.

Bragg-Gleichung

n·λ = 2·d·sin(θ)

Die Größen im Überblick

Netzebenenabstand (d)

Der senkrechte Abstand zwischen zwei benachbarten, parallelen Netzebenen mit denselben Millerschen Indizes. Wird aus den Gitterkonstanten und (h,k,l) berechnet, abhängig vom Kristallsystem.

Millersche Indizes (h, k, l)

Drei ganze Zahlen, die eine Schar paralleler Netzebenen im Kristallgitter eindeutig kennzeichnen. Sie ergeben sich aus den reziproken Achsenabschnitten der Ebene mit den Kristallachsen.

Beugungswinkel (θ)

Der Winkel zwischen einfallendem Röntgenstrahl und der beugenden Netzebene (nicht zu verwechseln mit dem in Diffraktogrammen meist aufgetragenen 2θ, dem Winkel zwischen einfallendem und gebeugtem Strahl).

Rechenbeispiel

Natriumchlorid (NaCl) kristallisiert kubisch mit a = 5,6402 Å. Bei welchem Winkel 2θ erscheint der (200)-Reflex bei Verwendung von Cu-Kα-Strahlung (λ = 1,5418 Å)?

Gegeben

Kubisch, a = 5,6402 Å, (h,k,l) = (2,0,0), λ = 1,5418 Å, n = 1

Lösung

d = a/√(h²+k²+l²) = 2,8201 Å. Aus n·λ = 2·d·sin(θ) folgt θ ≈ 15,86°, also 2θ ≈ 31,73° – exakt der bekannte Referenzwert aus NaCl-Pulverdiffraktogrammen.

Tipps und häufige Fehler

Der häufigste Fehler ist, θ mit dem in Diffraktogrammen aufgetragenen 2θ zu verwechseln – die Bragg-Gleichung selbst arbeitet mit θ, nicht 2θ. Ein zweiter häufiger Fehler: die Gitterkonstante mit falscher Einheit einzugeben (Å vs. nm vs. pm unterscheiden sich um Faktor 10 bzw. 100).

So gehst du am besten vor

Bestimme zuerst den Netzebenenabstand d aus Kristallsystem, Gitterkonstanten und Millerschen Indizes, wähle dann deine Röntgenquelle (oder trage eine eigene Wellenlänge ein) und lasse θ oder n berechnen. Prüfe bei berechnetem n, ob der Wert nahe an einer ganzen Zahl liegt – nur dann liegt ein echter Bragg-Reflex vor.

Wo wird die Bragg-Gleichung angewendet?
  • Röntgenpulverdiffraktometrie (XRD) zur Phasenidentifikation und Kristallstrukturbestimmung
  • Bestimmung von Gitterkonstanten und Kristallitgrößen in der Materialwissenschaft
  • Röntgenspektrometer und Monochromatoren, die gezielt eine Wellenlänge über den Bragg-Winkel selektieren

Woher stammen die Röntgenwellenlängen?

Die hinterlegten charakteristischen Kα-Wellenlängen (gewichteter Mittelwert aus Kα1/Kα2) stammen aus den International Tables for Crystallography, Vol. C, Tabelle 4.2.2.1 – dem Standardnachschlagewerk der Kristallographie für diese Werte.

Häufig gestellte Fragen zur Bragg-Gleichung

θ ist der Winkel zwischen einfallendem Röntgenstrahl und der beugenden Netzebene – das ist die Größe, mit der die Bragg-Gleichung selbst rechnet. In Diffraktogrammen wird meist 2θ aufgetragen, der Winkel zwischen einfallendem und gebeugtem Strahl (also der doppelte Bragg-Winkel), weil das dem tatsächlich am Detektor gemessenen Winkel entspricht.

Die Bragg-Gleichung liefert nur dann eine Lösung, wenn n·λ/(2d) kleiner oder gleich 1 ist, da sin(θ) nie größer als 1 werden kann. Ist deine Wellenlänge zu groß oder der Netzebenenabstand zu klein für die gewählte Beugungsordnung, existiert physikalisch kein Bragg-Reflex – das meldet der Rechner explizit, statt einen falschen Wert auszugeben.

Kubisch, tetragonal, orthorhombisch und hexagonal haben rechtwinklige (bzw. bei hexagonal 120°-)Zellen, wodurch die Formel für den Netzebenenabstand relativ einfach bleibt. Monokline und trikline Systeme haben schiefwinklige Zellen, wodurch zusätzliche Kreuzterme mit den Zellwinkeln in die Formel eingehen – das ist deutlich komplexer und aktuell nicht implementiert.

Die Beugungsordnung n muss physikalisch eine ganze Zahl sein (1, 2, 3, ...). Berechnest du n aus gegebenem Winkel und Wellenlänge und erhältst z.B. 1,97, bedeutet das, dass bei exakt diesem Winkel kein echter Bragg-Reflex auftritt – der gemessene Winkel liegt vermutlich nur nahe am theoretischen Reflex zweiter Ordnung (n=2), z.B. durch Messungenauigkeit.