Berechne den mittleren Aktivitätskoeffizienten γ eines Elektrolyten aus Ionenladung z, Ionenstärke I und Temperatur T – wähle zwischen dem einfachen Debye-Hückel-Grenzgesetz, der erweiterten Debye-Hückel-Gleichung (mit Ionengrößenparameter å) oder der für höhere Konzentrationen geeigneten Davies-Gleichung. Die Parameter A und B werden automatisch für deine eingegebene Temperatur aus Dielektrizitätskonstante und Dichte von Wasser berechnet.
Alle drei Formeln sind Näherungen mit unterschiedlichem Gültigkeitsbereich: Grenzgesetz bis I ≈ 0,01 mol/L, erweiterte Gleichung bis I ≈ 0,1 mol/L, Davies-Gleichung bis I ≈ 0,5 mol/L. Der Rechner weist dich hin, falls deine Ionenstärke außerhalb des sinnvollen Bereichs liegt.
Wie bei den anderen Rechnern: Fülle entweder I oder γ aus – das jeweils leere Feld wird berechnet. Bei Angabe von γ wird die zugehörige Ionenstärke I numerisch bestimmt, da sich die Formel nicht direkt nach I umstellen lässt.
In verdünnten Lösungen kann man die Konzentration eines Ions direkt für Gleichgewichtsrechnungen verwenden. In konzentrierteren Elektrolytlösungen stören sich die Ionen jedoch gegenseitig durch elektrostatische Wechselwirkungen – ihre effektive, thermodynamisch wirksame Konzentration (Aktivität) weicht von der tatsächlichen Konzentration ab.
Der Aktivitätskoeffizient γ beschreibt genau diese Abweichung: a = γ·c. Die Debye-Hückel-Theorie liefert eine Möglichkeit, γ aus der Ionenstärke der Lösung abzuschätzen, ohne dass Messdaten nötig sind.
Aktivitätskoeffizient (γ)
Verhältnis zwischen Aktivität und Konzentration eines Ions. γ = 1 entspricht idealem Verhalten, γ < 1 ist der Normalfall in Elektrolytlösungen.
Ionenstärke (I)
Maß für die Gesamtkonzentration aller Ionen in einer Lösung, gewichtet mit dem Quadrat ihrer Ladung. Höhere Ionenstärke bedeutet stärkere elektrostatische Abschirmung.
I = ½ · Σ cᵢ·zᵢ²
Ladungszahl (z)
Die Ladung des betrachteten Ions. Da nur z² eingeht, wirken sich mehrfach geladene Ionen (z. B. Ca²⁺, SO₄²⁻) überproportional stark auf γ aus.
Je nach Ionenstärke der Lösung eignet sich eine andere Näherung – von der einfachsten (nur für sehr verdünnte Lösungen) bis zur robustesten (für konzentriertere Lösungen).
Debye-Hückel-Grenzgesetz
log₁₀(γ) = −A·z²·√I
Einfachste Form, nur für sehr verdünnte Lösungen (I ≤ 0,01 mol/L) gültig, da sie den endlichen Ionenradius vernachlässigt.
Erweiterte Debye-Hückel-Gleichung
log₁₀(γ) = −A·z²·√I / (1 + B·å·√I)
Berücksichtigt zusätzlich den effektiven Ionendurchmesser å und ist dadurch bis I ≈ 0,1 mol/L brauchbar.
Davies-Gleichung
log₁₀(γ) = −A·z²·(√I/(1+√I) − 0,3·I)
Empirische Erweiterung ohne benötigten Ionengrößenparameter, liefert bis I ≈ 0,5 mol/L noch brauchbare Werte.
Verwendete Konstanten
A und B werden aus der Dielektrizitätskonstante und der Dichte von Wasser bei der eingegebenen Temperatur T berechnet (Malmberg-Maryott- bzw. Kell-Korrelation). Bei 25 °C ergibt das A ≈ 0,5107 und B ≈ 0,3286 – nahezu identisch mit den in Tabellenwerken kursierenden gerundeten Werten 0,509/0,328, die genau diesen einen Temperaturpunkt beschreiben. Für andere Lösemittel als Wasser gelten diese Korrelationen nicht.
Temperatur (T)
Die Parameter A und B der Debye-Hückel-Theorie hängen von der Dielektrizitätskonstante und Dichte des Lösemittels ab, die beide temperaturabhängig sind. Der Rechner berechnet A(T) und B(T) für Wasser bei der eingegebenen Temperatur direkt aus diesen beiden Größen (0–100 °C experimentell abgesichert).
Wie groß ist der Aktivitätskoeffizient von Ca²⁺ in einer Lösung mit Ionenstärke I = 0,01 mol/L bei 25 °C, berechnet über das Grenzgesetz?
Gegeben
z = 2, I = 0,01 mol/L, T = 25 °C, A ≈ 0,511
Lösung
log₁₀(γ) = −0,511 · 2² · √0,01 = −0,2044 → γ ≈ 0,625. Das zweifach geladene Calcium-Ion weicht bei dieser Ionenstärke bereits deutlich vom idealen Verhalten (γ = 1) ab.
Aktivitätskoeffizienten korrigieren u. a. Gleichgewichtskonstanten in nicht-idealen Lösungen – mehr dazu in unserem Gleichgewichts-Rechner.